Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung #2

Plötzliche, starke Schmerzen im Oberbauch können auf eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse hindeuten. Mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung.

 

Behandlung: Was hilft bei akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung?

In der Regel muss eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus behandelt werden, in schweren Fällen auf der Intensivstation. Der Patient erhält Schmerzmittel. Außerdem bekommt er Flüssigkeit über die Venen.

Rund 80 Prozent der Patienten erholen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder. Bleibende Schäden entstehen nicht. Etwa 15 bis 20 Prozent erleiden jedoch einen schweren Verlauf. Teile der Bauchspeicheldrüse sterben ab. Die Therapie dauert dann oft wesentlich länger und ist aufwändiger. Das Risiko für ernste Komplikationen steigt. Ob die Krankheit schwer oder mild verlaufen wird, lässt sich zu Beginn nicht sicher beurteilen.

 

Wann darf man wieder essen?

Meist ist es ratsam, zunächst auf Nahrung zu verzichten. Bei einer leichten Erkrankung kann und sollte der Patient aber häufig schon nach ein bis zwei Tagen wieder etwas essen. Voraussetzung ist, dass die Entzündung und Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen nachgelassen haben. Die Speisen sollten anfangs leicht verdaulich und eher fettarm sein.

Hält die Entzündung längere Zeit an oder verläuft die Krankheit schwerer, muss eine künstliche Ernährung erfolgen. Das geschieht – wenn möglich – über einen dünnen Schlauch, eine sogenannte Sonde. Sie wird durch die Nase eingelegt und führt über die Speiseröhre in den Magen oder den Dünndarm. Über die Sonne erhält der Patient eine spezielle Flüssignahrung, die ihm alle wichtigen Nährstoffe liefert. Nur in seltenen Fällen ist es erforderlich, Nährstoffe direkt als Infusion über die Venen zu geben (parenterale Ernährung).

 

Weitere Therapiemaßnahmen

Sind Gallensteine Auslöser der Bauchspeicheldrüsenentzündung, können sie eventuell im Rahmen einer Spiegelung (ERC) entfernt werden.

Verläuft die Entzündung schwerer, können größere Flüssigkeitsansammlungen um die Bauchspeicheldrüse entstehen oder es stirbt Gewebe ab. Dort können sich Bakterien absiedeln, so dass sich Eiter bildet. Dann ist es eventuell nötig, sogenannte Spülkatheter – dünne Schläuche – von außen in den betroffenen Bereich zu legen, um die Entzündung einzudämmen. Zeigen sich Zeichen einer bakteriellen Infektion, erhält der Patient frühzeitig Antibiotika.

In manchen Fällen ist eine (minimalinvasive) Operation notwendig, um abgestorbenes Bauchspeicheldrüsengewebe sorgsamst zu entfernen. Die operativen Verfahren richten sich immer nach den Gegebenheiten. Hier spielt die Erfahrung des Chirurgen eine große Rolle.

Patienten können im Rahmen einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung eine Blutvergiftung (Sepsis) erleiden. Bei einem sehr schweren Verlauf können Herz, Lunge oder Niere versagen.

Im späteren Verlauf bilden sich eventuell Hohlräume in und um die Bauchspeicheldrüse, sogenannte Pseudozysten. In ihnen kann sich Verdauungssaft ansammeln, der nicht abfließen kann. Das verstärkt unter Umständen die Beschwerden des Patienten. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es ratsam, solche Pseudozysten zu entleeren. Dazu legen Ärzte zum Beispiel einen dünnen Verbindungsschlauch von der Pseudozyste zum Magen oder zum Dünndarm. So kann der Zysteninhalt abfließen.

 

Bauchspeicheldrüsenentzündung ausgeheilt – was gibt es zu beachten?

Wie lange Patienten mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung krankgeschrieben sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt stark vom individuellen Verlauf ab. In der Mehrzahl der Fälle heilt die Krankheit innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder aus.

Generell ist im Anschluss eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung, einer vielseitigen gesunden Ernährung zu empfehlen, wobei sich die Mahlzeiten auf mehrere kleinere Portionen verteilen sollten. Nach einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung haben Patienten manchmal viel Gewicht verloren und noch wenig Appetit. Dann kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.

 

Wann kann man wieder Alkohol trinken?

War die Entzündung durch Alkohol verursacht, sollte der Betroffene künftig auf Alkohol verzichten oder zumindest deutlich weniger konsumieren. Manche Experten empfehlen, nach einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung grundsätzlich mindestens sechs bis zwölf Monate keinen Alkohol zu trinken.

Um weiteren Krankheitsschüben vorzubeugen, sollten die Auslöser – soweit möglich – beseitigt werden. Je nach Ursache heißt das zum Beispiel:

  • Gallensteine oder eine steinhaltige Gallenblase müssen entfernt werden
  • Störungen des Fettstoffwechsels oder der Nebenschilddrüsen sollten behandelt werden
  • Der Arzt kann ungeeignete Medikamente durch andere ersetzen

 

Bauchspeicheldrüse

Beschriftung

Die Bauchspeicheldrüse (medizinisch: das Pankreas) erstreckt sich quer im Oberbauch und hinter dem Magen. Sie wiegt etwa 100 Gramm und wird in drei Bereiche unterteilt: Der Kopf, der in einer Schleife des Dünndarms liegt, daran anschließend der Körper sowie der Schwanz, der über die linke Niere zur Milz zieht. Die Bauchspeicheldrüse erfüllt zwei wichtige, aber ganz unterschiedliche Funktionen: Zum einen produziert sie als Verdauungsdrüse ein Verdauungssekret mit verschiedenen Enzymen zur Aufspaltung der Nahrung. Dabei gibt sie täglich etwa zwei Liter Flüssigkeit in das Darmlumen ab. Zum anderen bildet sie in spezialisierten Zellen, die vor allem im Bereich des Pankreasschwanzes vorkommen, Hormone, wie das für die Blutzuckerregulation wichtige Insulin. Die Hormone werden direkt in die Blutbahn abgegeben.

 

Mögliche Folgen der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung

Falls ausgedehnte Bereiche der Bauchspeicheldrüse erkrankt waren oder entfernt werden mussten, kann das Organ seine Funktion unter Umständen nicht mehr ausreichend erfüllen. Mögliche Folgen sind:

  • Verdauungsstörungen: Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme, treten Verdauungsstörungen auf – zum Beispiel Blähungen und Durchfälle. Fett wird nicht mehr richtig verdaut. Die Betroffenen nehmen ab, sie bekommen womöglich Mangelerscheinungen. In diesem Fall können Betroffene die fehlenden Verdauungsenzyme in Form eines Präparates zu den Mahlzeiten einnehmen. Die Dosierung muss individuell angepasst werden. Sie richtet sich nach der Restfunktion des Organs und nach dem jeweiligen Essen. Es kann außerdem erforderlich sein, fettlösliche Vitamine zuzuführen.
  • Diabetes: Produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin, kommt es zur Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus. Dann helfen – je nach Ausprägung – eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und Insulin, das gespritzt werden muss

 

Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/Bauchspeicheldruesenentzuendung-akut - Prof. Dr. Markus W. Büchler