Was ist Hepatitis? #1

Als Hepatitis werden alle entzündlichen Erkrankungen der Leber bezeichnet. Die Leberzellen werden durch die Entzündung geschädigt und die Funktion der Leber beeinträchtigt. Hepatitis kann durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden: Viren, Bakterien, Parasiten, Alkoholmissbrauch, Medikamente, aber auch Chemikalien.

 

Am häufigsten wird eine Hepatitis durch Viren verursacht. Zur Zeit sind fünf Virustypen bekannt, die für die so genannten Virus-Hepatitiden verantwortlich sind.

 

Diese Viren wurden von den Wissenschaftlern alphabetisch mit den Buchstaben A bis E bezeichnet und geben der jeweiligen Hepatitis-Erkrankung ihren Namen. Bei der früher als eigenständige Krankheit ausgewiesenen Hepatitis F handelt es sich um eine Variante des Hepatitis B-Virus. Auch die früher erwähnte Hepatitis G wird nicht mehr als eigenständige Erkrankung gesehen und heute als GB-Virusinfektion bezeichnet. Man kann diesen Virustyp zwar nachweisen, aber keiner Erkrankung zuordnen. Von den ursprünglich bekannten sieben Virustypen sind also die 5 wichtigen oben erwähnten Typen verblieben. Diese Erreger sind in Aufbau und Eigenschaften sehr verschieden. Dadurch erklären sich auch die verschiedenen Übertragungswege der einzelnen Virustypen sowie die unterschiedlich große Ansteckungsgefahr:

  • Hepatitis A: Die Ansteckung erfolgt fäkal-oral, d. h. durch Kontakt zu Ausscheidungen infizierter Personen, engen Personenkontakt oder durch mit verunreinigtem Wasser zubereitete Lebensmittel.
  • Hepatitis B: wird durch Blut, Blutprodukte, Speichel oder andere Körperflüssigkeiten auf dem Blutweg oder sexuell übertragen.
  • Hepatitis C: wie Typ B, wird allerdings ganz überwiegend auf dem Blutweg übertragen.
  • Hepatitis D: Die Ansteckung erfolgt ebenfalls wie bei Typ B, der Typ D kann aber nur bei Patienten auftreten, die bereits mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sind
  • Hepatitis E: wie Typ A

 

Bricht die Krankheit aus und zeigt der Patient die oben beschriebenen Symptome, spricht man von einer akuten Hepatitis. Heilt eine Hepatitis nicht vollständig aus, wird sie chronisch genannt. Dies kann auch geschehen, ohne das jemals akute Krankheitsanzeichen aufgetreten sind. Von einer chronischen Hepatitis spricht man, wenn die Viren des entsprechenden Typs auch noch nach 6 Monaten oder länger im Blut eines Infizierten nachweisbar sind.

 

Die häufigsten Virus-Hepatitis Erkrankungen erfolgen mit den Viren A, B und C. Alle drei Virus-Typen sind weltweit verbreitet. Schutzimpfungen existieren nur gegen die Hepatitis A und B.

 

Für den Frauenarzt ist vor allem die Hepatitis B, im Rahmen seiner Impftätigkeit und als Präventionsarzt der Frau auch die Hepatitis A von Bedeutung. Im Folgenden wird deswegen auf diese beiden Varianten eingegangen.

 

Häufigkeit

Hepatitis A

Die Hepatitis A ist weltweit verbreitet. Besonders häufig tritt sie in Afrika, Südosteuropa, Asien, Indien und weiten Teilen Mittel- und Südamerikas auf. Das Vorkommen und die Häufigkeit der Hepatitis A ist eng an die hygienischen Verhältnisse geknüpft, d. h. bei schlechten hygienischen Verhältnissen ist das Hepatitis A-Vorkommen hoch.

In Deutschland und anderen Industrienationen erwerben Bewohner das Virus meist auf Reisen in betroffene Gebiete. Zurückgekehrte infizierte Reisende bilden gelegentlich den Ausgangspunkt für kleinere Epidemien. In Deutschland werden pro Jahr etwa 2000 Erkrankungen gemeldet; man geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer und damit von etwa 10.000 und mehr Erkrankungsfällen aus. Chronische Verläufe der Hepatitis A sind nicht bekannt.

 

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Rund 2 Milliarden Menschen hatten bereits eine Hepatitis B-Infektion. Zwischen 300 und 420 Millionen Menschen sind mit dem Hepatitis B-Virus chronisch infiziert, das entspricht circa 5 bis 7% der gesamten Weltbevölkerung. Pro Jahr versterben etwa eine Million Menschen infolge von Hepatitis B bedingter Leberzirrhose oder Leberkrebs.

In Deutschland infizieren sich schätzungsweise 5 bis 8% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit dem Hepatitis B-Virus, davon sind 0,4 bis 0,7% chronisch infiziert und somit Virusträger. Die Zahl der Überträger von Hepatitis B wird in Deutschland auf ca. 600.000 geschätzt. Jährlich kommt es zu ca. 50-60.000 Neuerkrankungen, und 2000 Infizierte sterben an der Erkrankung oder deren Folgen.

Durch gezielte Impfkampagnen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr soll die Verbreitung in den nächsten Jahren weiter eingedämmt werden. Eine Impfung ist aber auch allen Personen über 18 Jahre anzuraten.

 

Übertragung

Hepatitis A

Hepatitis A wird durch das stabile Hepatitis-Virus A verursacht. Dieses Virus infiziert ausschließlich die Leberzellen. Dort wird es vermehrt und über den Darm ausgeschieden. So erklärt es sich auch, dass die Übertragung des Virus fäkal-oral erfolgt. D. h. eine Ansteckung erfolgt entweder durch den Kontakt zu Fäkalien (gemeinsam benutzte Toiletten, ungewaschene Hände) bei engem Personenkontakt oder durch mit verunreinigtem Wasser in Kontakt gekommene Lebensmittel, wie beispielsweise kontaminiertes Trinkwasser (Eiswürfel etc.) oder Früchte und Salate, die mit diesem Wasser gewaschen wurden. Außerdem kann der Verzehr von Austern und Muscheln gefährlich sein, sofern die Schalentiere aus verseuchtem Gewässer kommen.

Infizierte Personen scheiden Hepatitis A-Viren bereits ca. 1 bis 2 Wochen vor dem Einsetzen der Krankheitssymptome aus und können so andere Personen leicht anstecken. Kinder erkranken häufig ohne die herkömmlichen Krankheitsanzeichen und stellen damit oft über lange Zeit eine unentdeckte Infektionsquelle dar.

Erkrankt eine schwangere Frau an Hepatitis, kann das Kind im Mutterleib angesteckt werden. Negative Folgen für das Ungeborene sind bisher nicht beobachtet worden.

Die durchgemachte Hepatitis A-Infektion schützt lebenslang vor dem Virus.

 

Hepatitis B

Das Hepatitis B verursachende Virus ist recht beständig gegenüber Umwelteinflüssen und herkömmlichen Desinfektionsmitteln. Es erreicht insbesondere im Blut eines Menschen eine hohe Konzentration und kann daher durch winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute übertragen werden. Auch andere Körperflüssigkeiten, wie z. B. Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch oder Sperma, können für eine Übertragung verantwortlich sein. Das Hepatitis B-Virus ist hoch ansteckend und eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt.

Etwa 60 bis 70% der Neuerkrankungen in Deutschland erfolgen über Sexualkontakte. Einen hohen Anteil an akuter Hepatitis B Erkrankter findet man daher unter jungen Erwachsenen.

 

Weitere Risikogruppen und Risikofaktoren sind:

  • Drogenabhängigkeit, vor allem durch die Mehrfachnutzung von verunreinigten Spritzen oder anderem Drogenbesteck.
  • Ärzte und Pflege- und medizinisches Personal, das Kontakt zu möglicherweise infizierten Patienten oder Blutprodukten hat.
  • Dialysepatienten
  • Tätowierungen, Ohrlochstechen und Piercings, sofern die Hygienevorkehrungen bei der Durchführung unzureichend sind.

Doch bereits Rangeleien zwischen Schülern auf dem Schulhof oder Haushaltskontakte wie z. B. das Benutzen einer gemeinsamen Zahnbürste oder Nagelschere können für eine Ansteckung ausreichen.

In den Industrienationen besteht für die Übertragung des Virus bei Blut- oder Plasma-Spenden auf Grund hoher Sicherheits- und Teststandards nur noch ein sehr geringes Restrisiko. Allerdings sind medizinische Eingriffe bei Reisen in Entwicklungsländer potenziell gefährdend.

Ein ungeborenes Kind kann im Mutterleib mit den Viren infiziert werden. Um das zu verhindern, wird während der Schwangerschaft regelmäßig untersucht, ob die Schwangere Viren ausscheidet. Wird ein Kind bei der Geburt mit Hepatitis B-Viren angesteckt, kann eine frühzeitige Impfung helfen, schwere Folgen, möglicherweise mit dem Tod des Kindes, zu verhindern.

 

Quelle: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_hepatitis-was-ist-hepatitis-_723.html